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Badminton

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Über Badminton
Badminton aus Sicht
eines Sportmediziners
Badminton gehört, ähnlich wie Tennis oder Tischtennis zu den
Rückschlagspielen. Es wird in der Halle als Einzel, Doppel und Mixed gespielt.
Ein gefiederter Ball wird für das rasante, schnelle Spiel benötigt. An einem mit
Leder überzogenen Kork sind 16 Natur- oder Plastikfedern befestigt. Der
Federball bringt es auf ein Gewicht von ca. 5 Gramm. Das
Spielfeld ist 13,40 Meter lang und 6,10 Meter breit. Das Spielfeld wird von einem
1,55 Meter hohen Netz in zwei Spielhälften unterteilt.

Der Reiz des Badmintonsports liegt in dem außergewöhnlichen
Flugverhalten des Balles. Der Ball kann mit einer Geschwindigkeit von mehr als
300 km/h den
Schläger verlassen, aber schon beim nächsten Schlag leicht wie eine Feder zu
Boden sinken. Hieraus resultieren die diesem Sport so eigenen attraktiven
Ballwechsel. Schnelligkeit, Kraft und' Ausdauer, gepaart mit einem hohen Maß an
taktischer Disziplin, lassen die Vielseitigkeit dieser anspruchsvollen Sportart
erkennen.
Eine Mannschaft besteht aus mindestens 4 Herren und 2 Damen.
In einem Punktspiel werden 8 Spiele ausgetragen (3 Herreneinzel, 2 Herrendoppel,
ein, Damendoppel, ein Dameneinzel und
ein Mixed). Ab 19 Jahren spielt man bei den Senioren mit. Hier gibt es
jetzt keine Altersbeschränkung mehr, so dass "Jung" und "Alt" gegeneinander
spielen. Es wird jeweils über zwei Gewinnsätze gespielt. Bei guten
ausgeglichenen Spielern kann selbst in der Kreis- oder Bezirksklasse ein
Dreisatzspiel über eine Stunde dauern.
Seit 1992 in Barcelona ist Badminton olympisch.
Spielregeln auf www.badminton.de
Der folgende Beitrag stammt aus:
Hundert Prozent fit und gesund. Das Geheimnis des
gesunden Menschen
von Dr. med. Hans-Wilhelm
Müller-Wohlfahrt und Dr. med. Ulrich Kübler
Heyne 1996. 2000 als Taschenbuch ISBN:
3-453-14611-5.
Badminton – Spielwitz und Inspiration
Ein besonders schneller Sport, bei dem alle Gelenke und Muskeln des menschlichen
Körpers beansprucht werden: Angriff und Verteidigung, Vorwärtsdrang und
Rückwärtsbewegung, Lauf und Sprung, »Smash« und »Dropshot« gehen beim Badminton
ineinander über. Gegen die Gefahr einer Verletzung helfen die richtige
Ausrüstung und eine gründliche Vorbereitung.
Wenn Malaysia gegen Indonesien um die Weltmeisterschaft im Badminton spielt, ist
der Staatspräsident da, die Riesenhalle »kocht«, Millionen Fans sitzen vor den
Fernsehschirmen. Wir Europäer kennen selbst im ärgsten Fußballtaumel eine
derartige Begeisterung kaum. Badminton ist eine schier endlose Kettenreaktion
körperlicher Explosionen: Immer wieder Sprünge, Schmetterschläge mit Kraft und
Witz aus einem schier unerschöpflichen Reservoir von Kondition. Sicher ist es
die anstrengendste aller Schlagsportarten – denn im Tennis hat man immer noch
relativ lange Wege zwischen den Schlägen, es gibt häufige Pausen zwischen den
Punkten und Games. Squash ist sicher auch sehr anstrengend, ein schnelles Spiel
– aber man kann die Strapazen reduzieren, wenn man ein kluges Stellungsspiel
gelernt hat, und man nimmt beim Squash die Schnelligkeit des von der Wand
zurückprallenden Balles mit in den nächsten Schlag, während die Federkugel des
Badminton immer wieder von Null extrem beschleunigt werden muss.
Für mich persönlich war Badminton lange Zeit eine
Randsportart – bis mich ein familiäres Schlüsselerlebnis von meinen Vorurteilen
kurierte. »Papi, komm in den Garten, wir spielen Badminton!« Freunde hatten
meinem Sohn Kilian zum neunten Geburtstag eine komplette Badminton-Ausrüstung
geschenkt. Mit Schläger, Netz, auslegbarer Linienbanderole. Und jetzt wollte er
natürlich mit mir spielen. Ich dachte: O je, Federball! Da habe ich zum letzten
Mal vor 30 Jahren den Schläger in der Hand gehabt... Dieses Kaffeetanten-Spiel,
bei dem die Bälle wie Fallschirme herunterschweben, nein danke! Aber
andererseits war es ein wunderschöner Sommertag, Platz und Netz waren schnell
fixiert – und schon ging es los. Bereits nach wenigen Minuten hatte mich das
Spiel völlig im Griff; ich fightete wie ein Besessener, war total dabei. »Ist
das fetzig!« rief mein Sohn immer wieder völlig begeistert. Das Wort »fetzig«
trifft diesen Federspiel-Spaß genau: Man kann mit aller Kraft drauflosfetzen,
aber es ist ein kontrolliertes Draufdreschen, bei dem man sich voll verausgabt –
selbst als Endvierziger gegen einen Neunjährigen.
Viel höhere Schlaggeschwindigkeiten als selbst
beim härtesten Tennis-Aufschlag
Seit diesem Sommertag bin ich ein überzeugter Badminton- Fan. Ich habe einen
Sport für mich entdeckt, der sich gerade- zu heimlich – und unheimlich rasant –
in die Spiellust der Menschen geschlichen hat. Ein harter Sport, der alle
Gelenke und Muskeln fordert und beansprucht. Ein besonders schneller Sport, bei
dem man mit einem Schmetterball (»smash«) weitaus höhere Geschwindigkeiten als
beim härtesten Tennis-Aufschlag erzielt: bis zu 360 km/h. Ein läuferischer
Sport, bei dem man in einem 90-Minuten-Match im statistischen Durchschnitt 7,3
km weit laufen muss – im Gegensatz zum Tennis, wo man in der gleichen Zeit nur
3,7 km zurücklegt. Ein schöner Sport, der einfach fasziniert und völlig zu
Unrecht noch manchmal belächelt wird. Badminton – das ist Spaß und Schweiß,
Rasanz und Anstrengung. Sich vor Erschöpfung kaum mehr auf den Beinen halten
können, um dann zu erfahren, wie – irgendwie! – der Wille den schwitzenden
Körper noch mal dazu bringt, den Ball übers Netz zu schmettern – oder sanft zu
returnieren, den Ball zu schlenzen; ihn mit Gefühl in die freie Ecke droppen...
Wend-Uwe Boeck-Behrens, Ausbilder der A-Trainer im Deutschen Badminton-Verband,
hat diesen Sport in seinem Buch »Badminton heute« am besten charakterisiert:
»Der Badminton-Spieler benötigt das Konzentrationsvermögen eines Schachspielers,
die Reflexe eines Tischtennisspielers, die Schnelligkeit eines Sprinters, die
Wurfkraft eines Speerwerfers, die Kraftausdauer eines Eisschnelläufers, die
Ausdauer eines 1000-m-Läufers sowie Wendigkeit, Spielwitz und technisches
Können...« Dennoch handelt es sich um ein Wettkampfspiel für alle Jahreszeiten
und Altersklassen. Man kann es in der Halle, auf der Wiese, am Strand spielen.
Die Ehefrau besiegt den Ehemann, der Opa den Enkel – weil bei aller
Leistungsanforderung Badminton ein Sport der Inspiration, des Spielwitzes, der
Taktik, der Finte ist. Man braucht nur Schläger und Ball, das »Outfit«
unterliegt keinem gesellschaftlichen Reglement.
Badminton boomt: in mehr als 70 Ländern der Erde
Inzwischen ist Badminton in über 70 Ländern der Erde zum Volkssport geworden. An
die 200 Millionen Spieler schwingen die etwa 100 Gramm schweren Schläger mit den
22 Längs- und 24 Quersaiten. Sie »fetzen« die gefiederten Bälle, die nicht
schwerer sind als ein Brief (nämlich 5 g), über das 13,40 x 5,18 m große Feld;
bei Duellen, in denen der Ball durchschnittlich 13,5mal hin- und hergeht (im
Tennis nur 3,5mal).
Badminton wurde 1992 in Barcelona zum ersten Mal olympische Disziplin und ist
bereits heute eine der wichtigsten Sportarten in Deutschland: Die Zahl der
aktiven Badmintonspieler schnellte hierzulande auf 4,2 Millionen. Davon spielen
1,4 Millionen regelmäßig in Vereins- und kommerziellen Anlagen – mehr als bei so
populären Sportarten wie Basketball, Hockey, Fechten und Rudern
zusammengenommen. Die deutschen Badminton-Spieler rangieren, zumindest von der
Zahl her, deutlich vor den leistungsstärksten Badminton-Nationen China,
Indonesien und England – und werden zahlenmäßig nur von den Russen und Dänen
übertroffen.
Bei diesem Sport gehen Angriff und Verteidigung, Vorwärtsdrang und
Rückwärtsbewegung, Lauf und Sprung, Smash und Dropshot ohne Bruch ineinander
über. – Das ist das eigentliche Geheimnis für den beispiellosen Boom dieses
Sports. Inzwischen ist Badminton auch ein mächtiger Wirtschaftsfaktor geworden:
Vier Badminton-Felder passen auf einen Tennisplatz – da rüsten viele Platzherren
um. Badminton hat zudem den Vorteil, von der Käfig-Situation des Squash frei zu
sein.
Badminton aus sportmedizinischer Sicht
Als Sportarzt begeistert mich die komplexe Beanspruchung von Körper und Geist,
die Herausforderung zu Hochleistung und Kreativität, dazu die soziale
Ausgeglichenheit. Das ist wirklich ein Sport für jedermann, im Weltmaßstab. Eine
wissenschaftliche Untersuchung am Hochschulärztlichen Institut, Abteilung
Sportmedizin, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachens ergab,
dass Badminton-Spieler zwischen 20 und 25 Jahren Herzfrequenzen bis zu 236
Schläge pro Minute erreichten – während es beim Tennis »nur« 210 Schläge pro
Minute waren.
Natürlich ist es für diesen – wie für jeden! – Sport notwendig, sich ordentlich
vorzubereiten: Bevor man auf den Court geht, muss der Körper warm sein. Der Puls
muss in seiner Ruhefrequenz, also bei etwa 60 Schlägen pro Minute, durch
leichtes Laufen – wenn möglich auf Laufbändern – in die richtige
»Betriebsbereitschaft« gebracht werden. Topspieler laufen mehrmals um das Feld
herum, dann spielen sie auch noch »Schattenbadminton«: Minutenlang imitieren sie
ohne Ball – langsam, aber möglichst exakt – die Schläge und Ausfallschritte. So
werden die Muskeln, die später gefordert werden, richtig warm und auch
elastisch. Ich rate ebenso zu gymnastischen Übungen und vor allem zum
Stretching. Badminton fordert den ganzen Körper und den gesamten Organismus, und
so kann es, wie bei jedem Sport, zu Verletzungen kommen.
Besonders gefährdet sind die Achillessehne, das Sprung- und Kniegelenk; auch
Schulter und Wirbelsäule können überlastet werden. Um so wichtiger ist deshalb
neben der gründlichen Vorbereitung die richtige Ausrüstung: Der Schläger darf
nicht zu schwer sein, sollte jedenfalls nicht mehr als 120 Gramm wiegen; die
Schuhe müssen fachmännisch – am besten vom Orthopäden – angepasst sein, um beim
Abbremsen, Beschleunigen, Drehen und Wenden ein Umknicken zu verhindern. In den
Sportgeschäften gibt es spezielle Badminton-Schuhe – der normale Turnschuh
reicht einfach nicht. Achten Sie beim Kauf auf eine rutschfeste Sohle, ein
gepolstertes Fußbett, Achillessehnenschutz und eine abriebfeste
Kappenverstärkung. Wie Sie sich auch vorbereiten: Verletzungen können immer
wieder passieren, gerade auch austrainierten Profis. Die zehnfache deutsche
Meisterin Birgit Schilling aus Regensburg kam mit einem Schulterkapselriss in
meine Praxis und musste operiert werden. Denn die Belastungen des scheinbar so
leichten Spiels sind enorm. Ein Beispiel nur: Der gesamte Bewegungsablauf beim
Schmetterball läuft in weniger als einer Zehntelsekunde ab. Enorme Kräfte werden
im Schultergelenk freigesetzt, und die müssen verkraftet werden.
Gemeinsam Spaß haben
Für Freizeitsportler rate ich deshalb zu einem, sagen wir mal: »maßvollen«
Badminton. Es ist ja schließlich auch ein Spiel fürs Köpfchen, das sollte man
nicht vergessen – ein Spiel mit einer langen Tradition: 2000 Jahre alte indische
Höhlenzeichnungen zeigen bereits Federballspieler. Aus uralten Zeiten hat sich
in Japan das Federballspiel »Oibane« erhalten, das über Neujahr von Frauen und
Mädchen gespielt wird. Auch die Azteken und Inkas waren von diesem Sport
fasziniert. Und in der Renaissance, als der Sport in Europa zum
Freizeitvergnügen für die Adligen avancierte, spielte man Federball in den
Schlössern, auf der Picknick-Wiese und sogar auf den Decks von Segelschiffen.
Die Französische Revolution von 1789 hat das Federballspiel demokratisiert und
es zu einem Sonntagsvergnügen der breiten Masse werden lassen. Englische
Offiziere schließlich brachten das indische Federballspiel »Poona« um 1870 nach
Großbritannien. Dort bekam es auch seinen heutigen Namen »Badminton«: weil der
Herzog von Beaufort seinen noblen Gästen das filigrane Spiel auf seinem Landsitz
Badminton erstmals vorführte. Nun ist Badminton längst ein Weltsport – mit
Internationalen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften, Damen- und
Herren-Cups nach dem Vorbild des Tennis-Davis-Cups. Jede Woche spielen in
Großbritannien sechsmal so viele Menschen Badminton, wie in die Fußballstadien
gehen.
Der Badminton-Boom, da bin ich mir sicher, wird anhalten. Einfach weil dieser
Sport für Berufsgestresste eine ebenso willkommene wie naheliegende Möglichkeit
zu intensiver Entspannung und vollkommener Ablenkung ist. Ich werde bald wieder
mit meinem Sohn Kilian spielen. Nicht einfach den Federball über das 1,524 Meter
hohe Netz dreschen. Sondern mit der überall erhältlichen Banderole die richtigen
Platzmaße auslegen – um richtig herumfetzen und herumtoben zu können: um
gemeinsam Spaß zu haben.
Worauf Sie bei der Ausrüstung achten sollten
Der Badminton-Dress muss so geschnitten sein, dass extreme Bewegungen möglich
sind. Ideal sind T-Shirts aus Kunstfaserprodukten, Polyamiden: Sie lassen Luft
an den Körper heran, nehmen den Schweiß auf und lassen ihn langsam verdunsten.
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